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Carrousel Vlissingen (NL) - keine Reise mehr wert...

Carrousel Vlissingen (NL) - keine Reise mehr wert...

Beitragvon muenzspielfreund » 26.09.2016, 21:32

Carrousel Vlissingen nicht mehr empfehlenswert

Eigentlich bräuchten wir für diesen Bericht eine neue Rubrik. Es handelt sich hier nämlich keineswegs um einen Freizeittipp, sondern vielmehr um einen Tipp, über eine Reise zu einem ehemaligen Paradies für Spielernaturen lieber gleich zwei oder drei Mal nachzudenken, bevor man den Motor des Wagens anlässt. Aber lest selbst…

Im Rahmen eines Tagesausfluges nach Vlissingen (NL) an der Nordsee haben meine Frau und ich am vergangenen Samstag auch das dortige Carrousel besucht. Wer das Carrousel von früher (vor 15 bis 20 Jahren) kennt, wird es sicher in sehr guter Erinnerung haben und bitter enttäuscht werden, wenn er es heute wieder einmal aufsucht.

Was ist passiert?

Der einstige, sich über beide Etagen erstreckende Familievermaak-Bereich wurde auf das Erdgeschoss reduziert, was ich schon bei einem Kurzbesuch im Jahr 2012 festgestellt hatte. Der einstige, kleine aber feine Geldspielerbereich im Erdgeschoss wurde entfernt und nimmt dafür jetzt die gesamte obere Etage ein. Der mittlerweile zur Funtastic Casino gehörende Geldspielerbereich in der oberen Etage des Carrousel ist auch nicht mehr direkt durch den Familievermaak-Bereich zu erreichen. Die Wendeltreppe in der Mitte des Gebäudes ist zwar noch vorhanden, aber gesperrt. Ich dachte zunächst, dass die obere Etage leer stehen würde, weil ich keine Möglichkeit sah, dort hin zu kommen. Die Lösung war ein separater Eingang von draußen. Eine enorm steile Holztreppe führte nach oben.
Im Geldspielerbereich stehen immer noch viele alte Geldspieler mit Walzen aus den 1990erjahren, ähnlich unseren Token-/Fungames bis 2006. Aber auch reichlich Videogamer. Sowohl Single- als auch Multigamer. Recht viel Novomatic. Mit wie viel Spielen, habe ich nicht nachgesehen. Ansonsten reichlich JvH, sowie auch zahlreiche Geräte von in Deutschland vollkommen unbekannten Herstellern. Ich schätze die Anzahl der Geräte auf 50 bis 100 Geräte. Zwei davon waren sogar von Gauselmann. Es waren Multi Gamer im Vision Slant Top Gehäuse mit nur fünf Spielen.

Es gibt auch mindestens zwei Raucherbereiche, die durch Glaswände abgetrennt sind. Der Rauch zieht aus diesen Bereich aber deutlich wahrnehmbar auch in die eigentlichen Nichtraucherbereiche. Dazu stehen die Geräte derart dicht an dicht gequetscht, dass es regelrecht erdrückend und dadurch äußerst ungemütlich wirkt. Der Geldspielbereich war gemessen an seiner Größe auch sehr schwach besucht. Krönender Abschluss unseres Besuchs der oberen Etage war ein Spieler mit Migrationshintergrund, der an einem Novomatic-Gerät spielte, an welchem der Münzvorrat zu Neige ging (wahrscheinlich auch der in der Tasche des Spielers, es sah so, als ob er gerade im Begriff war, zu gehen, so wie er dort herum hampelte), der im Nichtraucherbereich rauchte und dabei lautstark mit sich selbst redete. Wir empfanden das alles in Summer alles andere als einladend, sodass es uns in keiner Weise reizte, auch nur ein paar Euros zu riskieren.

Das einzige, was den Besuch der oberen Etage wirklich noch lohnenswert macht, ist eine Ausstellung von wirklich sehr alten Einarmigen Banditen (ca. 50 Stück) und Musikboxen (ca. 25 Stück), welche wir uns auch angesehen haben, bevor wir in den Geldspielerbereich gingen. Von dort aus kann man auch immer noch in die untere Etage schauen, was vom Geldspielerbereich aus nicht mehr möglich ist.

Zurück zum Familievermaak-Bereich im Erdgeschoss…

Bedauerlicherweise bot uns auch hier ein Bild, was alles andere als einladend ist. Bei rund der Hälfte aller dort aufgestellten Unterhaltungsautomaten war ein Zettel mit der Aufschrift „Kapot“ oder – wenn der verantwortliche Mitarbeiter nicht gerade wieder einen Schwäche- oder Müdigkeitsanfall gehabt hat – gerne auch schon einmal mit „Buiten Werking“ aufgepappt. Die nicht gewarteten und ungepflegten, ihrem Schicksal überlassenen Geräte führten dazu, dass die Besucherzahl Geldspielerbereich in der ersten Etage verglichen mit der im Erdgeschoss geradezu aus „Menschenauflauf“ bezeichnet werden konnte. Wo oben bei den Geldspielern schon gähnende Leere war, ist unten fast Totentanz gewesen.

Als ich im Jahr 2012 im Carrousel war, standen wenigstens einige der beliebten Gerätschaften aus dem ehemaligen Familievermaak-Bereich in der oberen Etage nun im Erdgeschoss. Darunter beispielsweise auch Kugelwurfbahnen, wie man sie von der Kirmes her kennt. Mehr als 95% dieser Geräte wurden nun aber abgeräumt. Es stehen stattdessen noch mehr Fahrsimulatoren und Airhockeytische dort.

Überhaupt wurde ist mittlerweile eigentlich alles weg, was den ursprünglichen Charme des Carrousel ausmachte. Der Satz „In einer Ur-holländischen nostalgischen Kirmisumgebung bietet Carrousel alte und ultramoderne Spiele an“ kann reduziert werden auf „Das Carrousel bietet alte und ultramoderne Spiele an“. Hinzufügen könnte man lediglich noch, dass die Hälfte Geräte defekt ist.

Was ist mit dem Thema Flippern?

Die von Mattes schon an anderer Stelle gemeldeten fünf Flipper (Stand 2015) waren noch da. Beim Entdecken ein kleiner Hoffnungsschimmer. Allesamt neuere Maschinen von Stern. Unter anderem ein Avatar-Flipper. Ich war gerade im Begriff, wenigstens daran einmal ein Spielchen zu wagen, als ich sah, dass die BEIDE Slingshots (!) keine Gummis mehr hatten (!!). Als ich mich abwandte – spielen wollte ich daran sowieso schon nicht mehr – wurde mein Blick nochmals zurück auf die Spielfläche gezogen. Und ich glaubte, meinen Augen nicht zu trauen: Eines der beiden Slingshot-Gummis war noch im Gerät. Und zwar lag es direkt über dem recht Flipperfinger (!!!). WER spielt an so etwas?!?

Ansonsten:

Oben, das schöne, kleine und gemütliche Café mit Theke in Form eines Karussells, mit Ausblick über das bunte Treiben im Erdgeschoss -> WEG!

Das riesige Ballwurfspiel mit den „Müllkatzen“ -> WEG!

Ballwurfspiel „Die dicke Bertha“ -> WEG!

Der Kinderflipper Super Mario Bros. Mushroom World von Gottlieb -> WEG!

Die Basketball-Wurfgeräte -> WEG!

Das Kamelrennen -> WEG!

Die schöne, histoirsche, traumhaft beleuchtete holländische Kirmesorgel auf der Bühne, die früher etwa einmal pro Stunde spielte -> WEG! (als ich 2012 vor Ort war, gab es sie noch, jetzt ist dort aber der vergrößerte Ausgabebereich für die Gewinnwaren, die man gegen die Ticktes und Wertchips einlösen kann).

Die riesige beleuchtete Neonreklame „Carrousel“ über der Bühne -> Buiten Werking

Das schöne, nostalgische Pferdchenkarussell unter der Hallendecke, dass sich früher parallel zum Spiel der Kirmesorgel in Bewegung setzte -> Buiten Werking

Fazit zum Carrousel:

Es gibt nichts, was mich jemals noch ins Carrousel locken könnte. Wenn man an vergangene Zeiten denkt, wie schön es dort war und was da los war – fast schon wie ein alter Jahrmarkt, nur eben nicht unter freiem Himmel, sondern geschützt vor Wind und Wetter. Das alles war einmal… Diese Zeiten werden nicht wiederkommen. Aber ich werde sie jedenfalls gut in Erinnerung behalten.

Die Tatsache, dass man die Geräte wenig bis teilweise überhaupt nicht mehr pflegt und wartet, hat dieses einstige Spielparadies für Groß und Klein derart abgewertet, dass ein Besuch nicht mehr lohnt. Sehr schade. Unten gibt es in erster Linie nur noch Airhockey, Tanz- und Fahrsimulatoren und wenigstens noch ein paar von den guten alten Coin Pushern (einige davon auch neueren Baujahres). Die untere Etage erweckt den Anschein, dass es sich nur noch um eine Art Alibifunktion für den Geldspielerbereich oben handelt (nach dem Motto, dass man ja immer noch auch etwas für Familien anbieten würde). Möglicherweise passiert in den Niederlanden gerade genau das, was bei uns schon vor mehr als 15 Jahren beendet war: Die Verdrängung des Unterhaltungsspiels durch 100% Geldspiel, was einzig und allein in der wirtschaftlichen Ertragskraft der Geldspieler begründet liegen dürfte. Weniger Wartung, mehr Kasse. Klar, dass ist der Lauf der Zeit und den hält man nicht auf. Dass es in den Niederlanden aber auch Freizeithallen trifft, die gerade für Familien mit Kindern und Jugendlichen eine tolle Anlaufstelle waren, finde ich persönlich sehr bitter.

Wir haben das Gebäude nach unserem Rundgang verlassen, ohne auch nur einen Euro irgendwo eingeworfen zu haben. Der anschließende Spaziergang mit Einkehr in einem Café und dann weiter zurück zum Boulevard zum Abendessen mit Sonnenuntergang direkt an der Nordsee (Tisch mit direktem Blick auf den Strand und das Meer) waren mehr als eine großartige Entschädigung.

Zuletzt noch ein paar Worte zum Arsenaal direkt rechts nebenan:

Bevor wir im Carrousel waren, besuchten wir das Arsenaal (Piratenavontuur en Zeeaquarium). Auch hier scheinen sich die Zeiten irgendwie geändert zu haben. Zwar sieht es dort in sehr vielen Bereichen vollkommen anders aus, als noch vor 15 Jahren. Und es wurde wirklich sehr liebevoll mit Details eine wunderschöne Abenteuerlandschaft für Familien geschaffen. Vor allem der (heute ganz anders, meiner Meinung nach deutlich schöner gestaltete) Bereich mit den Aquarien hat meiner Frau und mir besonders gefallen. An erster Stelle natürlich das große Becken, in welchem man Rochen, Schollen und Katzenhaie streicheln kann und darf. Die Musik, die Atmosphäre, der Aussichtsturm – alles sehr schön. Auch der Eintrittspreis (12,55 EUR p. P. bei Onlinekauf) war in Ordnung.

Aber trotzdem war auch dort alles von gähnender Leere gefüllt. Über die drei weitläufigen Etagen verteilt waren wir zwei von sechs (!) Besuchern. Sehr schade. Man könnte den Betreibern hier wirklich nicht vorwerfen, dass sie sich bei der aktuellen Gestaltung keine Mühe gegeben hätten. Das Fehlen der Besucher hatte dann auch zur Folge, dass der Gastronomiebereich in der 1. Etage geschlossen war. Im Café am Ausgang mit einem geschätzten Fassungsvermögen für 200 Besucher war ein einziger Tisch im Außenbereich besetzt.

Allerdings muss zum Eintritt noch ergänzt werden, dass es keine Gruppenermäßigungen und Familienkarten gibt. Selbst Kinder zahlen den vollen Eintrittspreis. Für diese Zielgruppe kann es dann auch schon wieder teuer werden... Dieses könnte mit ein Grund dafür sein, dass die Besucher ausbleiben.


Fazit zum Arsenaal:

Lediglich der Gastronomiebetrieb im Gebäude „Arsenaal-Theater“ links neben dem Carrousel (näher zur Straße hin) war sehr gut besucht. Dort saßen jedenfalls viele Leute draußen, es waren so gut wie alle Tische belegt. Ich weiß nicht, woran es liegt – aber die ganze hintere Ecke mit dem Carrousel und dem Arsenaal rechts daneben wirkt irgendwie total tot. Mausetot. Von außen sieht es beinahe so aus, als sei das alles geschlossen. Fast schon wie dauerhaft geschlossen. Möglicherweise ist dies alles auch dem stark reduzierten Angebotes für Familien im Carrousel geschuldet.

Bleibt zu erwähnen, dass Vlissingen nach wie vor auf jeden Fall eine Reise wert ist. Aber den Besuch des Carrousel muss man nicht mehr unbedingt mit einplanen.
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Re: Carrousel Vlissingen (NL) - keine Reise mehr wert...

Beitragvon GS33 » 26.09.2016, 21:56

Ich spreche leider kein Holländisch. Was ist Familievermaak?
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Re: Carrousel Vlissingen (NL) - keine Reise mehr wert...

Beitragvon Mattes » 26.09.2016, 22:23

Och, das ist aber alles sehr schade. Insbesondere wegen des Carousel bin ich gerne nach Vlissingen gefahren, es war immer ein MUSS! Schade, dass die Entwicklung dort in die von Dir beschriebene Richtung geht. Ich hänge noch ein wenig daran, so werde ich mal alle 2-3 Jahre dort vorbei schauen, die Hoffnung stirbt zuletzt. Danke für Deinen Bericht :neutral:
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... wie schnell ist nix passiert ....
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Re: Carrousel Vlissingen (NL) - keine Reise mehr wert...

Beitragvon muenzspielfreund » 26.09.2016, 22:49

GS33 hat geschrieben:Ich spreche leider kein Holländisch. Was ist Familievermaak?
Familienunterhaltung (nicht im Sinne von "Gespräch", sondern im Sinne von "unterhaltsam" und "unterhalten werden").
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Re: Carrousel Vlissingen (NL) - keine Reise mehr wert...

Beitragvon Dr. Hannibal Lecter » 27.09.2016, 00:01

Um es somit kurz auf einen Nenner zu bringen:

Was haben Ex-Königin Beatrix und das Carrousel Vlissingen gemeisam?
Beide sind "buiten werking".

Bevor jetzt noch jemand fragt was "buiten werking" heisst: Ausser Betrieb.
Zuletzt geändert von Dr. Hannibal Lecter am 16.05.2018, 22:14, insgesamt 1-mal geändert.
Glücksspiel und Liebe haben gemeinsam, daß immer mehr reingesteckt als rausgeholt wird.
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Re: Carrousel Vlissingen (NL) - keine Reise mehr wert...

Beitragvon opa muenze ggf » 27.09.2016, 07:01

Met betrekking tot het CARROUSEL ben ik heel teleurgesteld en bedroeft. Wat was dat vroeger mooi gewest !!!!!!!!
Zuletzt geändert von opa muenze ggf am 16.05.2018, 22:14, insgesamt 1-mal geändert.
Am schönsten isset wenn et schön is...
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Re: Carrousel Vlissingen (NL) - keine Reise mehr wert...

Beitragvon merkurdisc » 27.09.2016, 14:33

Schade das immer mehr Schöne Orte verschrottet werden
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Es gibt nichts Gutes,außer man tut es ::134::

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Re: Carrousel Vlissingen (NL) - keine Reise mehr wert...

Beitragvon roh_1 » 27.09.2016, 18:43

Audebelief, in 1998 waren die Flipper und Musikboxen immer eine Reise wert,rechtschreib fehler sind gewollt, fuer die anderen.
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